Dienstag, 12. Juni 2018

Südtirol: Shimano E-MTB Experience 2018 - Naturns - Sexten

Als eingefleischter Mountainbiker hatte ich vor zwei Wochen die Möglichkeit, an der Shimano E-MTB Experience teilzunehmen. In diesem Jahr fand erstmals ein Prolog statt, wo die Teilnehmer auf einer Teststrecke ihre Fahrkenntnisse unter Beweis stellen konnten und dann aufgrund ihres Könnens und ihres Fitness Levels in die für sie vorteilhafteste Gruppe eingestuft wurden. Dabei standen die Gruppen Genuss, Trail und Trail Advanced zur Auswahl. Außerdem wurden die Teilnehmer mit der Welt der E-Mountainbikes vertraut gemacht und Fahrtechnik Tipps vermittelt.

Tag 1: Nach dem Start in Naturns
Tag 1: Auf dem Kreuzjoch/Sarntal
Naturns, Sarnthein, Brixen, Bruneck und Sexten waren als Etappenorte ausgewählt worden. Je nach Gruppe wurden täglich bis zu 60 Kilometer und 1.500 Höhenmeter gefahren. Die Etappenorte konnten sich bei einer Abendveranstaltung mit ihren kulinarischen Highlights präsentieren, gleichzeitig wurde jeden Tag ein Resümee gezogen und die Etappen des kommenden Tages präsentiert. Die Streckenauswahl führte über geniale Trails quer durch Südtirol. Professionelle Bike Guides begleiteten die Teilnehmer über die Schiefer- und Gneisgesteinstrails des Vinschgaus und die Quarzporphyblöcke des Sarntals in die ersten Ausläufer der Dolomiten, hoch über Brixen und Bruneck, bis ins Herz der Dolomiten nach Sexten. 


Tag 2: Querung Schneefelder auf der Villanderer Alm
Experten, Hersteller, Touristiker, Guides und Teilnehmer konnten täglich Erfahrungen austauschen, die verschiedensten Bikes der Partner (Bulls, Centurion, Focus, Ghost, Haibike, Husquarna, Merida, Scott) ausprobieren und diese auf Herz und Nieren testen. Für den Gepäcktransport und die Hotelbuchungen am jeweiligen Etappenort war vom Veranstalter genauso gesorgt, wie für eine Mittagsrast auf einer Hütte. Bei dieser Gelegenheit wurden Batterien getauscht oder nachgeladen. Jede Gruppe wurde von einem Rettungssanitäter/Ersthelfer und von Serviceleuten der Hersteller begleitet.
Tag 3: auf der Rodenecker Alm
Habe während der vier Tage ein paar Fakten und Erkenntnisse rund um das E-Biken zusammengetragen:
  • Einige Teilnehmer waren als Vater-Sohn-Konstellation unterwegs, einige in der Paar-Konstellation, d. h. (fast) jeder kann mit jedem E-Biken. 
  • Guide und fittere Teilnehmer sollten nie mit maximaler Motorunterstützung fahren, damit schwächere Fahrer den Tritt halten und bei Bedarf mit höherer Unterstützung aufschließen können. 
  • Das Gruppenerlebnis stellt sich beinahe von selbst ein, wenn man zusammen fährt.
  • Die Teilnehmer waren großteils Alterskategorie 50+, vom Fitnesslevel sehr unterschiedlich, zwischen "in homöopatischen Mengen vorhanden" bis "sehr ausgeprägt".
  • Die teilnehmenden Frauen fuhren fast ausschließlich in der Genussgruppe.
  • In der Trail Advanced Gruppe stand das Naturerlebnis nicht als erstes Motiv für für das E-Biken im Vordergrund, sondern es wurde geschreddet, nicht zum Vorteil des MTB-Images.
  • Die Technik ist durch die zusätzliche Kraft des Motors anfälliger und macht Schalten unter Belastung zur Herausforderung für den Antrieb: Kettenabwürfe, Kettenrisse, Schaltwerkabrisse usw. waren an der Tagesordnung.
  • Batteriemanagement ist auf Tour notwendig, das Fahren mit voller Leistungsunterstützung verkürzt die Reichweite dramatisch.
  • Uphill Flow ist im Trend und wird gesucht, um diesen zu erreichen sind mittlere bis hohe  Unterstützungsstufen notwendig.
  • Sich ausschließlich mit eigener Kraft fortzubewegen, ist mit einem E-MTB im Flachen möglich, bergauf sind selbst wenige Höhenmeter ohne Unterstützung eine Tortur.
  • Durch die üppige Bereifung - sehr oft im Plusformat - haben die E-MTBs gute Bodenhaftung und recht kurze Bremswege und verzeihen auch Fehler. Das Gewicht ist aber immer präsent und es fehlt die Leichtigkeit und Verspieltheit der unmotorisierten Brüder.
  • E-Mountainbiken macht auch Kraft-Mountainbikern Spaß!
  • Das E-MTB, als Teil der E-Mobilität, aber auch als Spaßgerät wird vor den Bergen nicht Halt machen und bringt neue Leute in Höhen, die für sie bisher nicht erreichbar waren, die Natur wird zum neuen Vergnügungspark für neue Zielgruppen.
Tag 4: Anstieg zur Plätzwiese
Tag 4: Am Toblacher See
Während der Tour hatte ich die Chance, nicht nur unterschiedliche E-MTB Modelle zu testen, sondern auch unterschiedliche Antriebe. Dabei habe ich festgestellt, dass sich die in der Fachpresse kundgetanen Bewertungen der Motoren wenig mit meiner Nutzererfahrung decken. 


So war der Brose Motor im Bulls am ersten Tag für mich ein absolut gelungener Einstieg, die Unterstützung kommt lautlos daher und bietet völlig unspektakulär und unabhängig von der Kurbeldrehzahl den gewählten Umfang an Schub. Für mich der absolut leiseste und der neutralste Antrieb im Testfeld. 
Bulls mit sahnigem Brose-Antrieb
Der Yamaha PW-X Motor im Haibike wäre für mich der Kauftipp, denn er bietet je nach gewählter Stufe spürbare Unterstützung. Bei niedriger Trittfrequenz und beim Anfahren subjektiv mehr, bei höherer Trittfrequenz weniger Leistung, passt dieser Motor perfekt zu meinem Fahrstil. Dabei ist er leise und sparsam, die beiden höchsten Unterstützungsstufen habe ich zwar probiert aber nie gebraucht.
Haibike mit potentem Yahmaha PW-X Motor
Shimano Steps bin ich im Bulls und im Focus gefahren. Im Bulls hat der Shimano ein nerviges Sirren und Summen von sich gegeben. Im Focus war er deutlich leiser, aber gefühlt immer noch lauter als Brose und Yamaha. Im Focus mit zwei Akkus habe ich den Motor mit stärkerer Unterstützung gefahren, bei niedriger Trittfrequenz ist für mich die Unterstützung zu schwach, bei hoher Trittfrequenz schiebt er viel mehr an und drängt auch bei Entlastung des Pedals immer noch eifrig nach vorne. Das stört für mich das natürliche Fahrempfinden. Mit leerem Akku bergauf war von der Leichtigkeit des High End Focus nicht mehr viel zu spüren und das Gefühl von zähem Kaugummi im Shimano-Antrieb bremste bei der Fortbewegung mit reiner Muskelkraft den runden Tritt deutlich aus. 
Bulls mit Shimano Steps 8000
Focus mit Shimano Steps 8000 und doppeltem Akku
Am wenigsten kann ich zum Bosch Performance CX Antrieb schreiben, denn diesen habe ich nur kurz und nicht über eine ganze Tagesetappe gefahren. Der erste Eindruck war, dass dieser näher an der Charakteristik von Yamaha liegt als bei Shimano, die Unterstützung kommt weniger drehzahlabhängig  und damit gleichmäßiger und schon beim Antritt zustande. 

Zu den Reifen möchte ich festhalten, dass ich auf zwei Etappen den Rocket Ron in 27,5 x 2.80 (Plus-Format) gefahren bin. Dieser Reifen gibt wenig Feedback zum Untergrund und bietet, sobald es nass ist, null Grip, weder bergauf, noch bergab. Besser ist da schon der Nobby Nick in der selben Dimension. Besseren Bodenkontakt habe ich beim 29 x 2.40 Continental Trail King verspürt. Dieser bietet viel Sicherheit im Downhill und Grip im Uphill ohne das schwammige Gefühl und die deutlich spürbaren Zentrifugalkräfte der Plus-Reifen. Trotzdem habe ich festgestellt, dass ein Großteil der angebotenen Testräder auf Plus Reifen daherkam. 

Den Veranstaltern gilt höchstes Lob für die gelungene, zweite Ausgabe der Veranstaltung. Mein Dank geht außerdem an die Bikehersteller Bulls, Haibike und Focus, die mir die Testbikes zur Verfügung gestellt haben und an die hervorragenden Serviceleute von Shimano, die nicht nur mir bei meinem Kettenriss schnell und professionell geholfen haben. Ich werde jetzt zwar nicht mit einem lauten Hurra zur elektrifizierten Fraktion überlaufen, erkenne aber an, dass E-Mountainbiken riesigen Spaß bereitet und dass ich noch nie vorher so relaxed von einer mehrtägigen Tour zurück gekommen bin - trotz Trail Advanced Gruppe. 


Dienstag, 29. Mai 2018

Sarntal: Von Sarnthein nach Hafling und zurück

Schon öfters hatte ich über meine Hometrails im Sarntal geschrieben, über die Verbindungen in das Etschtal, das Eisacktal, auf die Hochflächen des Tschöggelberg oder der Villanderer Alm. Eine besonders reizvolle Route ist jene über die Fraktion Öttenbach nach Hafling und von dort über Falzeben, die Moschwald Alm und Maiser Alm über Kreuzjöchl, Kreuzjoch, Auener Jöchl, Auener Alm und Skihütte zürück nach Sarnthein. 

Am Kreuzjöchl (1.981 m)
Die Anfahrt von Sarnthein in die Fraktion Öttenbach wird auf einer asphaltierten Nebenstraße ohne nennenswerten Verkehr bewältigt. Nach ungefähr 10 Kilometern und 700 Höhenmetern erreicht man den letzten Bauernhof und an einem kleinen Parkplatz das Ende der Straße. Auf Schotter geht es, vorbei an einer Schranke, hoch zur Öttenbacher Alm auf 1.924 Metern Meereshöhe, weiter über einen breiten Almweg bis zur Meraner Hütte auf 1.937 Metern Meereshöhe. Ab hier geht es praktisch bis Hafling nur bergab, zuerst über Weg Nr. 14 bis Falzeben und dann über den Steig oder die Straße bis hinab nach Hafling auf etwa 1.250 Metern. Nach einer Einkehr, z. B. im Cafè Platzl, fährt man gestärkt wieder die Asphaltstraße hoch, rund 5 Kilometer zurück bis nach Falzeben (1.600 m).

Letzte Schneereste beim Anstieg auf das Kreuzjoch
Von Falzeben ausgehend hält man sich rechts und folgt auf einem Almweg der Beschilderung Moschwaldalm (Weg Nr. 14), zuerst leicht bergab, dann bergan und dann mit Steinplatten gepflastet sehr steil bergauf (Weg Nr. 15 A) - die Schiebestrecke ist nach wenigen hundert Metern überwunden - und man kommt wieder auf Weg Nr. 15, vorbei an Moschwald und Maiser Alm hoch zum Kreuzjöchl auf 1.981 Metern. 
Gewitterstimmung am Kreuzjoch (2.084 m)
Ab hier folgt man rechter Hand dem Weg Nr. 4 auf das Kreuzjoch auf 2.084 Metern, einem einmaligen Aussichtspunkt mit 360 Grad Rundumblick vom Ortler bis in die Dolomiten. Die Abfahrt vom Kreuzjoch über den Steig zum Auener Jöchl ist technisch anspruchsvoll, spaßig und für geübte Biker ein Genuss. Andere steigen ab und schieben teilweise. Zur Auener Alm (im Sommer bewirtschaftet) geht es über einen Almweg und danach ebenso über Schotter zurück zur Sarner Skihütte (1.610 m), ein Gasthaus, das ganzjährig bewirtschaftet wird. Ab hier geht es entweder auf Asphalt ca. 8 Kilometer oder über geheime Trails zurück an den Ausgangspunkt in Sarnthein.

Fazit: Am Ende des Tages stehen knapp 2.000 Höhemeter und etwa 40 Kilometer auf dem Tacho. Auf der Öttenbacher Alm, auf der Meraner Hütte, in Falzeben, Hafling, der Auener Alm und der Skihütte lässt sich wunderbar einkehren. Wasser für die Trinkflasche gibt es meist bei den Almen entlang der Strecke. Die Strecke lässt sich wunderbar auch mit Ausgangspunkt Hafling mit Zwischenstation in Sarnthein fahren.

Mittwoch, 23. Mai 2018

MTB: Die Qual der Wahl beim Reifenkauf

Bereits im Jahr 2014 hatte ich über die wichtigsten Überlegungen bei der Reifenwahl hingewiesen. Und ich hatte für meine Nutzung - alpine Touren mit viel Trailanteil - damals ein paar Präferenzen ausgesprochen: Lieber breiter als schmaler, leicht aber pannensicher soll der Reifen sein und klare Präferenz für Premiumreifen faltbar mit weicher Gummimischung. Und zu dieser Kombi stehe ich immer noch, für meinen Verwendungszweck. Das Thema Plus-Reifen spreche ich nicht mehr an, die Entwicklung zu weniger Volumen ist deutlich abzusehen und dürfte sich aus Gründen des Gewichtes und des Handlings bei max. 2.5 - 2.6 Breite einpendeln.

Ich hatte bereits beim Test meines Scott Scale 910 einen Wechsel der Original-Reifen angekündigt. Dieser ist jetzt am Vorderrad vollzogen, die Wahl ist auf den neuen Conti Cross King 29x2.3 Protection gefallen. Am Hinterrad muss noch der original Schwalbe Rocket Ron EVO 29x2.25 verschlissen werden, dann kommt ebenfalls ein Conti Cross King 29x2.2 Protection auf die Felge. 

Continental Cross King 29x2.3 Protection auf meinem Scott Scale
Gerade am Hardtail, mit den von mir nachgerüsteten, breiteren Felgen, kann der ideale Reifen seine Stärken ausspielen. Immer in Verbindung mit einem niedrigen Reifendruck, ich fahre am Vorderrad ca. 1,7 bar Druck, am Hinterrad etwas mehr.  Und ich fahre nach wie vor mit Schlauch, weil ich einfach keinen wahrnehmbaren Vorteil von Tubeless-Systemen beim Fahrverhalten erkennen kann. Dafür schätze ich die problemlose Handhabung eines Ersatzschlauches im seltenen Falle eines Defektes. Der Umgang mit Dichtmilch, Schaumpatrone und Co. ist auf Tour einfach eine einzige große Sauerei.
Das Profil sorgt für gute Bodenhaftung und Selbstreinigung
Wie erwartet punktet der breitere Conti, gefahren mit niedrigem Luftdruck, mit guten Dämpfungseigenschaften, bombensicherer Bodenhaftung und einem ehrlichen Kurververhalten. Dabei rollt der Reifen leicht und leise über die beinahe durchgehenden Mittelstollen, trotz der 745 Gramm, die der Reifen wegen der Ausführung mit verstärkten Seitenwänden auf die Waage bringt (+70 Gramm zum RaceSport ohne zusätzliche Verstärkung.) Am Hinterrad werde ich den schmaleren Bruder 29x2.2 Protection montieren, dieser spart gegenüber dem breiteren Bruder rund 100 Gramm. 

Eine zuverlässige Verbindung zwischen MTB und Erde
Fazit: Der Cross King von Continental in der Protection Ausführung ist ein ehrlicher und zuverlässiger Begleiter auf Tour. Kein Leichtgewicht, aber mit gutem Pannenschutz, feinem Rollverhalten und Top-Grip Dank der Black Chili Compound Gummimischung. 

Mittwoch, 18. April 2018

Südtirol: Saisonstart im Schnee oder am See

Endlich ist die Bikesaison da! Leider liegen viele meiner Hometrails noch unter einer dichten Schneedecke. So enden Ausflüge in die Höhe sehr schnell, denn die Wege sind noch großteils unfahrbar - und das nicht nur in schattigen Lagen. Dort wird sich das auch bei steigenden Temperaturen noch eine Weile nicht ändern.
In der Höhe liegt noch viel Schnee
Zum Glück haben wir in unserem schönen Land eine Reihe von Alternativen, denn von meinem Wohnort auf 1.000 Metern, geht es nicht nur nach oben, sondern auch nach unten. Für die nächsten Wochen können wir somit auf einge Touren zurückgreifen, die ich in meinem Blog bereits beschrieben hatte:

Der Klassiker im Frühjahr: Stopp am Montiggler See
Etwas weiter vom Großraum Bozen entfernt, dafür aber fast ganzjährig befahrbar, liegt der Sonnenberg Trail (Montesole Trail) im Vinschgau. Dieser führt durch die herbe Kulturlandschaft am Vinschger Sonnenberg von St. Martin am Kofel nach Latsch. 
Vinschgau: St. Martin im Kofel mit Abfahrt Sonnenberg Trail


Die richtige Balance am Bike wiederfinden
Also nichts wie rein in das Vergnügen. Auf die Pedale... fertig... los!

Mittwoch, 11. April 2018

Toskana: Guter Saisonstart in Montaione

Dem am Osterwochenende großteils verregneten Südtirol entronnen, empfing uns auch die Toskana etwas unterkühlt. Böiger Wind, dafür kein Regen und Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad ließen auf ein paar tolle Ausfahrten hoffen.


Bereits vor der Fahrt in den Süden hatte ich mir die Mountainbike Touren in der Region angesehen. Diese sollten familientauglich, also nicht zu schwierig und nicht zu lang sein. Außerdem sollten Einkehrmöglichkeiten vorhanden sein und die Touren durch eine schöne Landschaft führen. Und diese Erwartungen wurden erfüllt. 

Unsere Unterkunft - der Biobauernhof Belmonte Vacanze - liegt außerhalb von Montaione und man erreicht den Ort über San Vivaldo und Iano. Die Anlage liegt etwas außerhalb von Iano in einer traumhaften Lage und lädt zum "dolce far niente" ein.
Belmonte Vacanze - eine Oase der Ruhe...
... eingebettet in einen Olivenhain
Einige der vorgeschlagenen Touren starten in Iano, andere in San Vivaldo oder in Montaione. Das heißt, dass man den Ausgangspunkt einer Tour entweder auf dem Bike oder per Auto oder Shuttle erreichen muss. Als eingefleischter Biker habe ich eine Aversion gegen Shuttles und fahre meine Touren am liebsten vom Anfang bis zum Ende selbst. Die Nebenstraßen, an Wochentagen meist ohne nennenswerten Verkehr, machen eine Anfahrt zum Ausgangspunkt einer Tour recht easy. Man rollt einfach auf der Landstraße gemütlich ein und wieder aus und verlängert somit die Tour. Diese sind insgesamt nicht sehr lang, somit ist es nur gut, wenn man ein paar Fahrkilometer mehr draufpacken kann.

Wir sind am ersten Tag die Tour Nr. 1 gefahren. Diese startet direkt im Zentrum von Montaione, somit kommen zu den 13,5 Kilometern noch 11 Kilometer Anfahrt und 8 Kilometer Rückweg von Gambassi Terme hinzu. Für die Kids (11 und 6,5 Jahre) eine respektable Tour von 32 Kilometern und fast 800 Höhenmetern. Die Tour führt viel über Asphalt, die Trails sind mit wenigen Ausnahmen Schotterwege, die leicht fahrbar sind. Empfehlenswert ist die Nutzung eines GPS-Gerätes oder einer Karte, weil die Markierungen teilweise lückenhaft sind und man Gefahr läuft, von der geplanten Route abzukommen.
Auf Feldwegen vorbei an verlassene Gebäuden...

... sanften Trails folgen...
... und zufriedene Gesichter am Abend
Am Tag zwei wurde auf Empfehlung der Rezeption Tour Nr. 5 in Angriff genommen. Diese ist eine Panoramatour, die ihren Namen verdient. Ausgangspunkt ist Iano und man fährt auf Schotter, erst leicht bergab, eine Hügelkette entlang, an schönen Anwesen vorbei und dann immer auf losem Untergrund, aber technisch einfach, bis zur Querung des Roglio, eines kleinen Baches. Ab hier geht es wieder bergan und, die Hügelkette erklommen, fährt man dem malerischen Ort Castelfalfi entgegen. Nach einem lohnenden Stopp geht es an den Ausgangspunkt zurück. Vom Belmonte aus schlagen etwa 24 Kilometer und 550 Höhenmeter zu Buche. Beschilderung und Markierung sind vorhanden, teilweise etwas schwer zu entdecken.
Sanfte Hügellandschaft...
...hinauf und hinunter...
...für die ganze Familie fahrbar...
...mit Panoramablick in Castelfalfi
Mit dem ersten Teil der Truppe zurück, ging es in die zweite Schleife mit der Großen. Ausgehend von Iano, startet die Tour auf Asphalt in Richtung San Vivaldo. Die Tour Nr. 4 kann man in den Varianten "La Cava" und "Pian delle Querce" fahren, bei beiden Varianten fährt man im leichten Uphill auf Asphalt und zurück über Schotterwege und leichte Trails. Empfehlenswert ist ein Abstecher zu einer kleinen Kapelle (Santuario della Pietrina) und dem dazugehörigen Aussichtspunkt. Pro Runde sind knapp 10 Kilometer zu bewältigen mit weniger als 200 Höhenmetern, ideal für ein paar knackige Auffahrten und rasante Abfahrten. Die Touren sind recht gut ausgeschildert und markiert.
Gute Beschilderung, leider nicht ganz durchgängig
Leichte Single Trails...
...für jedermann und -frau
Tag drei fiel buchstäblich ins Wasser. Da aber die Orte San Gimignano und Volterrra, wo es viel zu sehen und zu entdecken gibt, in einem Radius von knapp 30 Autominuten liegen, kann ein trainigsfreier Tag für einen Besuch dieser wunderbaren Stätten genutzt werden. Siena ist in gut einer Stunde mit dem Auto zu erreichen.

Am Tag vier wurde ein Geheimtipp des Juniorchefs von Belmonte Vacanze gefahren. Lauro ist selbst ein passionierter Biker und er hat mir die GPX-Datei einer bisher unveröffentlichten Tour rund um San Gimignano überspielt. Diese Tour fährt man fast ausschließlich auf Schotter, immer im leichten Auf und Ab und meist mit dem mittelalterlichen Städtchen mit den charakteristischen Türmen im Blick.
Leichte Panoramatour rund um San Gimignano
Durch Wiesen und Felder...
...durch Olivenhaine...
...und Weinberge.
Am Ende des Tages stehen 32 Kilometer und 650 Höhemmeter auf dem Tacho. Der Weg ist bisher nicht beschildert, aber absolut lohnend. Einmal schneidet man auch einen bekannten Pilgerweg, den Franziskusweg. Am Ziel fährt man - quasi als Krönung der Tour - durch das mittelalterlich geprägte San Gimignano und kann sich dort in einem der zahlreichen Lokale erfrischen.
Kurz dem bekannten Franziskusweg entlang...
... am Ziel in San Gimignano
Fazit: Montaione hat viel zu bieten. Abseits von den touristischen Hochburgen findet man hier Ruhe, ehrliche Gastfreundschaft, lukullische Gaumenfreuden und leichte und familientaugliche Touren, mit einem stetigen Auf und Ab, nie zu lang und nie zu anstrengend. Also perfekt, um im Frühjahr die richtige Formkurve aufzubauen. Wer das sucht, ist hier genau richtig. Wer hingegen den downhill-thrill sucht, sucht vergeblich. Der Biobauernhof Belmonte Vacanze ist auf Biker eingestellt, es gibt einen Bikekeller mit einer kleinen Werkstatt und einem Verleih von Mountainbikes und E-Bikes.