Donnerstag, 17. Juni 2021

Technik: MTB-Schaltungen Übersetzung 1x12 vs. 2x11

Sieht man sich in den Fachgeschäften um, stellt man fest, dass kein einziges Mountainbike der Mittel- oder Oberklasse in der Erstausrüstung mehr mit 2fach Kurbel bestückt ist. Nur im untersten Einstiegsbereich finden sich noch MTBs mit 2fach Kurbeln, nach einer 3fach Kurbel muss man schon sehr lange suchen. Letztere gibt es ausschließlich im Billigsegment, wo Schaltungen von Citybikes u. ä. an Rädern verbaut werden, die den Namen MTB nicht verdienen. Auch bei den Versendern finden sich 2fach Schaltungen äußerst selten, nicht einmal in der Einstiegsklasse werden sie noch verbaut. 

Im Wettbewerb um den technischen Fortschritt hat besonders der US-Hersteller SRAM, zuerst mit seinem Produkt XX, mit ursprünglich 2x10 Gängen, den 3fach Schaltungen den Garaus gemacht. Dann kam SRAM mit der XX1 Eagle, zuerst mit 1x11 und dann mit 1x12 und hat den Wettbewerb wieder neu entfacht. Der Platzhirsch Shimano musste jeweils nachziehen und hat teilweise Marktanteile in der Erstausrüstung verloren. Diese konnten erst wiedergewonnen werden, als die Japaner zuerst auf 2x11 und dann auf 1x12 nachgezogen haben. Siehe auch Beitrag vom Juli 2015, da gab's noch kein 1x12.

Sind die Schaltungen durch diese Entwicklung besser geworden? Wie fühlen sich Einfachkurbeln mit größeren Gangabstufungen an? Was sind die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Schaltungen? Wie steht es mit Haltbarkeit und Verschleiß? Auf diese Fragen werde ich im Folgenden eingehen. 

Für den Einsteiger ist sicherlich weniger mehr. Wer in den Radsport einsteigt und sich generell erst mit der Schaltlogik beschäftigen muss, empfindet es als Voreil, wenn nur ein Schalthebel zu bedienen ist und nicht mit beiden Händen aus 20 oder 30 Übersetzungsvarianten, die sich teilweise überschneiden, gewählt werden muss. Weniger heißt hier: Nur ein Hebel, rauf oder runter, leichter oder härter. Einfach eben - wie Einfachschaltung.

Die Einfachschaltungen haben durch den Wegfall von Umwerfer, Kabelzug mit Zughülle und Schalthebel weniger Komponenten und sind dadurch leichter und auch weniger fehleranfällig. Kettenabwürfe an der Kurbel sind quasi inexistent und können mit einer einfachen Kettenführung vollständig unterbunden werden.

Einfachkurbel mit Kettenführung
 

Trotz der schmaleren Bauweise von 1x12 Ketten sind diese haltbar und haben eine gute Lebensdauer, zumal diese nicht durch den Umwerfer und dem Wechsel zwischen den Zahnkränzen an der Kurbel zusätzlich beansprucht werden. Die Schaltwerke wurden an die enormen Gangwechsel zwischen kleinstem und größtem Ritzel konstruktiv angepasst, schalten schnell und ohne Tadel. 

Schaltwerk 1x12
 

War ursprünglich die geringe Bandbreite von 1fach Schaltungen ein Problem, hat sich das bei Shimano mit 10-51 Ritzelpaketen und bei SRAM mit neuerdings 10-52 Ritzelpaketen enorm verändert, mit nunmehr sagenhaften 510 bzw. 520 Prozent Bandbreite.

Für Biker, die die gesamte Entwicklung von 3x9 über 2x11 zu 1x12 durchgemacht haben und für die das Schalten an sich reine Routine ist, könnte eine Einfachschaltung zumindest gewöhnungsbedürftig sein. Die Bandbreite meines 1x12 ist zwar mit 510 Prozent enorm, mit einer Kurbeldrehung schafft man bei "Kette rechts", also im schnellsten Gang, mit 34x10 eine Strecke von 7,82 Meter, was bei 80 Kurbelumdrehungen pro Minute einer Geschwindigkeit von 37,5 Km/h entspricht. Bei 90 Kurbelumdrehungen gehen 42,2 und bei 100 Kurbelumdrehungen sogar 46,9 Km/h. Das ist beachtlich und kommt fast an die 3fach XTR mit 42x36 aus dem Jahr 2012 mit einer Entfaltung von 8,02 Metern und 38,5 Km/h bei 80 Kurbelumdrehungen heran. Die 2fach Kurbel mit 34x11 und einer Entfaltung von 7,11 Metern und 34,1 Km/h wird deutlich übertroffen. Was also die Endgeschwindigkeit angeht, ist das Übersetzungsverhältnis der 1x12 ausreichend und erlaubt auch im Flachen oder abwärts einen entspannten Tritt.

Bergauf bewälltigt die 1x12 bei "Kette links", also im leichtesten Gang, mit 34x51 eine Strecke von 1,53 Metern. Die 2x11 mit 24x42 bietet mit einer Entfaltung von 1,31 Metern schon ein größere Reserve. Die 3x9 mit 24x36 und mit 26 Zollrädern kommt auf 1,4 Meter. Die 2fach und 3fach Schaltungen haben also jeweils einen bzw. gar zwei leichtere Klettergänge. Dies mag im Alltag unerheblich sein, aber auf schweren Alpentouren mit langen, steilen Anstiegen oder kräftezehrenden Rampen jenseits der 20 Prozent machen 10 - 20 cm mehr oder weniger Entfaltung schon etwas aus. Vor allem macht es einen Unterschied, ob ich noch einen "Zwischengang" zur Verfügung habe oder zwischen gefühlt zu leicht oder zu schwer abwägen muss - denn beides kostet Energie. Besonders bei SRAM fällt der Sprung vom 2. in den 1. Gang enorm aus, denn dort verändert sich durch den Gangwechsel von 36x42 zu 36x52 die Entfaltung von 1,86 zu 1,50 Metern. Und das ist ein Riesenunterschied.

Steile Rampen führen zum Tierser Alpl 2.440 m

Letztes Wochenende habe ich nach langer Zeit wieder einmal die Rampe hoch auf das Tierser Alpl in Angriff genommen. Diese Tour hatte ich schon vor 10 Jahren in einen meiner ersten Blogbeiträge beschrieben. Damals war ich noch auf einem 26 Zoll Scott Scale mit 3x9 Shimano XTR Schaltung unterwegs und damit ging es - nicht leicht, aber machbar - die bis zu 25 Prozent steilen Rampen hoch (24x36 Entfaltung 1,40 m). In diesem Jahr war das mit der 1x12 etwas mühseliger, zwar mit Willenskraft fahrbar, aber schwierig. In den steilsten betonierten Abschnitten hätte ich mir eine noch kürzere Abstufung gewünscht. Der 24x40 oder 24x46 auf dem Scott meiner Tochter war mit einer Entfaltung von 1,38 bzw 1,20 Metern wesentlich angenehmer zu fahren und bot im direkten Vergleich mit meinem Trek eine Reserve von ganzen zwei Gängen (mit Ritzel 11-46; Entfaltung 1,53 m). 

 

Grober Untergrund

Ist man erst einmal oben, vergisst man ob des grandiosen Panoramas alle Mühen und genießt die Gastfreundschaft des Schutzhauses. Auf der Terasse lässt sich bei Sonnenschein herrlich entspannen und die Speisekarte verspricht höchste Gaumenfreuden.

Bergpanorama
 

Fazit: Die 1x12 Schaltungen decken ein sehr breites Spektrum an Schaltstufen ab, auch wenn die Abstufungen zwischen den einzelnen Gängen größer ausfallen als bei 2x11 oder 3x9. Die Haltbarkeit ist wegen der geringeren Anzahl an Bauteilen sehr gut, dazu kommt eine moderate Gewichtserspartnis und eine aufgeräumte Optik am Bike. Der Rest ist Gewöhnung!
 

Samstag, 3. April 2021

Biketest: Trek Procaliber 9.8 - Modelljahr 2021

Wie schon in meinem letzten Beitrag geschrieben, bin ich mit Elan in die neue Saison gestartet. Einiges an Motivation ist wohl dem neuen Sportgerät geschuldet, dem Trek Procaliber 9.8. Auf Asphalt und auf den Schotterpisten im Tal fährt sich das Trek bei den ersten Ausfahrten leichtfüßig und spurtstark, trotz des nicht allzu geringen Gewichts. Der Rahmen des Modelljahres 2021 wurde komplett überarbeitet. Der relativ flache Lenkwinkel von 68,8 Grad soll für Laufruhe, die kurzen Kettenstreben für Wendigkeit sorgen. Ein steilerer Sitzwinkel sorgt für einen kräftigen Antritt. Aber der Reihe nach...

Wuchtig: Bontrager Carbon 29er Felgen mit 29 mm Maulweite und 2.2 Reifen
 
Daten und Fakten des Trek Procaliber 9.8:
  • Modelljahr 2021, Farbe Factory Orange/Lithium Grey, Größe M/L
  • Rahmen aus OCLV Carbon - Treks patentiertes Carbonfaser-Verfahren, IsoSpeed Dämpfungssystem, intern geführte Kabel
  • Gabel Fox Performance 32 Step-Cast, Remote Lockout, 100 mm Federweg, Boost
  • Steuersatz  FSA IS-2, Tapered mit Knock Block - limitiert den Lenkeinschlag auf 62°
  • Schaltwerk Shimano XT M8100, long cage, 51T 
  • Schalthebel Shimano XT M8100, 12-speed
  • Bremsen Shimano Deore XT M8100, 180 mm vorne und hinten (Original 160 mm umgebaut)
  • Kurbelgarnitur e*thirteen TRS Race Carbon, 30 mm spindle, 34T 
  • Kassette Shimano XT M8100, 10-51, 12-speed
  • Lenker Bontrager Kovee Pro, OCLV Carbon, 35 mm, Vorbau Bontrager Kovee Pro, Griffe ESI Chunky
  • Laufräder Bontrager Kovee Elite 30 OCLV Carbon, 29 mm Maulweite, Tubeless Ready,  Steckachse 15x110 mm vorne, 12x148mm hinten
  • Reifen Bontrager XR2 Team Issue, Tubeless Ready, 29x2.20 vorne und hinten, mit Schläuchen
  • Sattelstütze Bontrager Pro, OCLV Carbon, 31.6 mm, Sattel Bontrager Montrose Elite
 
Insgesamt ist das Paket sehr stimmig, die Komponenten sind sehr solide gewählt mit kompletter Shimano XT Schaltgruppe und XT Bremsen, mit Felgen, Lenker, Sattelstütze aus dem Werkstoff Carbon von Treks Hausmarke Bontrager. Nach dem Umbau der hinteren Bremsscheibe auf 180 mm und der Montage eines Flaschenhalters bleibt die Waage bei 10,62 Kg stehen, mit den Shimano XT M8100 Klickpedalen kommen weitere 340 Gramm hinzu und das ergibt ein Gesamtgewicht von knapp 11 Kg im fahrbereiten Zustand. Das ist gewiss keine Bestmarke, aber ein vernünftiges Gewicht, um schnell den Berg hoch und - mit meinen knapp 75 Kg Fahrergewicht - durch die solide Komponentenwahl auch wieder sicher hinunter zu kommen und auch die Haltbarkeit über mehrere Jahre sicherzustellen.

Kein absolutes Leichtgewicht, ohne Pedale 10,62 Kg

Das Procaliber 9.8 punktet außerdem mit einigen technischen Finessen. So etwa das IsoSpeed, ein auf Gummi gelagertes System, das Oberrohr und Sitzrohr verbindet. Vibrationen und Schwingungen sollen dadurch gedämpft, der Flex verbessert und dadurch der Fahrer entlastet werden, während der Rahmen im Antritt maximale Steifigkeit und somit einen zackigen Antritt garantiert. Knock Block nennt sich der Steuersatz, der den Lenkeinschlag bei 62° stoppt und dadurch verhindert, dass Schalt/Bremshebel auf dem Oberrohr oder der Gabelschaft auf dem Unterrohr anschlagen. Ein breiter Schutz aus Kunststoff schützt das edle Carbon des Unterrohres vor Steinschlag oder Berührungen mit dem Untergrund. Die Carbonfelgen mit großer Innenbreite lassen die Reifen breit bauen und ermöglichen ein Fahren mit geringerem Luftdruck.

Vorgänger und Nachfolger

Nach den ersten Ausfahrten im leichten Gelände ist jetzt auch die Feuerprobe auf den Hometrails bestanden. Das Trek klettert behände, das Vorderrad bleibt auch in den schwierigsten Steigungen auf dem Boden, ohne dass man das Gewicht extrem nach vorne verlagern muss. Das Limit ist allein die Beinkraft gepaart mit der Übersetzung 34x51. Auf Wurzeltrails im sanften Auf und Ab fährt sich das Trek zwar weniger geschmeidig als ein Racefully, aber man kann überraschend viel im Sattel bleiben. Ob es die breiten Reifen mit wenig Luftdruck oder das IsoSpeed sind - ich denke die Kombination macht's. Bergab zieht das Hardtail sicher seine Spur, ist sehr gut zu beherrschen und vermittelt sehr viel Sicherheit. Die Bontrager Reifen bieten trotz des recht feinen Profils überraschend viel Grip, ob bergauf oder bergab, im Schotter, im tieferem Geläuf, auf Wurzeln und Steinen, mit wenig Luftdruck gefahren, krallen sie sich mit Nachdruck in jeden Untergrund.
 
Unterwegs auf Wurzeltrials

Trek Procaliber - Trailräuber unterwegs
 
Fazit: Das Trek Procaliber ist ein ambitioniertes Hardtail für den Renneinsatz, aber nicht nur. Es bietet sich auch als grundsolides Freizeitgerät und als Tourenbegleiter an, an dem man lange seine Freude haben kann. Es ist in sechs verschiedenen Größen (S, M, ML, L, XL, XXL) und vier Ausstattungsvarianten erhältlich, vom einfachsten Modell 9.5 bis zum Top-Modell 9.8 und es müssen zwischen 1.949 und 3.699 Euro über den Ladentisch. Nach der Registrierung auf der Trek-Seite gilt für den Erstkäufer auf Carbon-Rahmen und Carbon-Felgen eine lebenslange Garantie.

Dienstag, 23. März 2021

MTB: Saisonstart einmal anders

Der Lockdown hat uns zum Ende des Winter 2020/21 im festen Griff, immer noch gelten Einschränkungen im Alltag und leider auch beim Sport. Im Unterschied zum Vorjahr ist das Fahrradfahren glücklicherweise erlaubt und mit dem Bike darf man sogar über die Gemeindegrenze. Das eröffnet Perspektiven, sobald der reichliche Schnee dieses Winters endlich Vergangenheit und die Trails wieder frei sind. Vorerst muss ich leider mit den asfaltierten, sonnenexponierten Bergstraßen vorlieb nehmen.

MTB
Die Bikesaison 2021 ist eröffnet

In unseren Breiten besteht ein vielfältiges Wintersportangebot und deshalb fahre ich im Winter nicht  Fahrrad, nur einzelne Sportler fahren das ganze Jahr über mit dem Rennrad oder E-Bike. Aber es gibt outdoor jede Menge reizvoller Alternativen, zwischen denen man wählen kann, wie etwa Winterwandern, Schneeschuhwandern, Skitour, Ski-Langlauf und Alpinski. Einige sind besser, andere weniger gut geeignet, die Kondition zu halten oder zu steigern. Während ich in den letzten Jahren mit der Familie hauptsächlich auf den Skipisten und lediglich zur Abwechslung zwischendurch auf Schneeschuhen oder Tourenski unterwegs war, hat sich das im letzten Winter geändert.

Freude an der Bewegung in der Natur

Die Pisten im Winter 2020/21 waren geschlossen, aber nicht nur deshalb habe ich den Ski-Langlauf für mich entdeckt. Ein Kurs zum Erlernen der Technik, einige Male mit dem passenden Gerät in der Loipe auspowern und schon war eine neue Leidenschaft geboren. Nach gut 30 Mal in der Loipe habe ich das Gefühl, das Herz pumpt kraftvoller, die Lunge atmet tiefer und die Körperspannung ist auf einem zu dieser Jahreszeit nie gekanntem Niveau. Die Bikesaison kann kommen!

Kondition auf zwei schmalen Brettern getankt

Festzustellen, dass die Kondition schon zum Saisonstart schon etwas taugt, ist erhebend und so machen die ersten Kilometer bergauf schon richtig Laune. Diese wird noch durch einen neuen fahrbaren Untersatz gesteigert.

Erster Uphill

Erster (und rutschiger) Downhill

Leider konnte das neue Trek Procaliber 9.8 noch nicht auf den Hometrails getestet werden, aber das kommt noch und dazu ganz gewiss auch ein Fahrbericht. Die ersten Kilometer sind jedenfalls schon sehr vielversprechend. 

Und auch den Kids gefällts

Saisonstart im Schnee mit neuem Untersatz

Sonntag, 14. März 2021

MTB Schaltung - Umstieg auf 1x12

Das Thema Technik beschäftigt mich, seit ich mich auf zwei Rädern fortbewege. Dabei habe ich schon viele Trends kommen und auch wieder gehen sehen. Auch mit dem Thema Schaltung für Mountainbikes hatte ich mich schon öfters auseinandergesetzt, das letzte Mal 2015, seitdem hat sich wieder viel getan.
 
Damals ging es noch um die Frage 3x11 vs. 2x11 vs. 1x11. Zwei Jahre später, im Jahr 2017 habe ich mich beim Kauf meines Scott Scale 910 - auch aufgrund meiner breitbandigen Nutzung - für 2x11 entschieden, seit 2019 gibt es im Fachhandel bei Bikes einer bestimmten Klasse kaum mehr eine andere Option als 1x12. 
 
Mein Scott Scale 910 fährt sich auch nach vier intensiven Jahren der Nutzung noch super, die Shimano XT schaltet auch nach über 8.000 Kilometern sahneweich und erst nach all diesen Kilometern habe ich Kette und Ritzelpaket ersetzt. Einen Wechsel auf 1x12 habe ich nie ins Auge gefasst. Macht eine Schaltung aber Probleme oder müssen durch Verschleiß ohnehin mehrere Schaltelemente ersetzt werden, dann macht ein Wechsel auf 1x12 durchwegs Sinn. Einerseits reichen die Bandbreiten der neuen 1x12 Schaltungen mit 10/51 Zähnen bei Shimano oder 10/52 bzw. 11/50 bei SRAM aus, andererseits wird ein MTB auch von einigem Balast befreit und wirkt auch optisch leichter. Und nicht zuletzt, durch den Wegfall des Umwerfers und eines Schalthebels inklusive der Züge, verschwindet auch ein anfälliges Bauteil. 
 
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen habe ich zuletzt das Trek Procaliber 9.7 meiner Tochter auf 1x12 umgebaut. Nach einigen gröberen Kettenklemlmern hatte ich entdeckt, dass ab Werk der Schalthebel für den Umwerfer für eine Dreifachschaltung ausgelegt war und nur mittels der Begrenzer auf 2fach angepasst war. Anfangs passte alles noch gut, sorgte aber nach einiger Zeit wiederholt für Abwürfe hinter das kleine Kettenblatt, mit unschönen Lackschäden am Rahmen, schmierigen Händen bei mir und Tränen in den Augen meiner Tochter, wenn der Abwurf bei einem CC-Rennen passierte.
 
Trek Procaliber 9.7

Darum ist die Entscheidung, das an sich tolle Trek auf 1x12 umzubauen, leicht gefallen. Meine erste Wahl wäre natürlich Shimano XT gewesen, aber anscheinend gibt es größere Lieferengpässe für die Schaltgruppen von Shimano, außerdem hätte der Freilaufkörper auf Microspline gewechselt werden müssen. Und so musste als Alternative die SRAM GX herhalten, allerdings mit dem NX-Ritzelpaket mit 11/50 Zähnen, damit der bestehende Freilaufkörper genutzt werden kann. In Verbindung mit einem 32er Kettenblatt wird die Bandbreite für Cross Country und Touren ausreichen.

Leichte Optik durch 1x12

Fazit: Ein Umbau auf 1x12 wertet ein Bike optisch auf, ist aber nicht zwingend notwendig, wenn die 2x11 Schaltung perfekt funktioniert. Wird aber ein Wechsel mehrerer Schaltelemente notwendig, dann lohnt sich ein Umstieg auf jeden Fall. Kostenpunkt ca. 300 Euro.
 
 

Montag, 21. September 2020

Trentino: Mit dem MTB auf der Hochebene von Lavarone

Wer kennt es nicht, das legendäre MTB Rennen "100 Km dei Forti"? Alljährlich messen sich über 1.500 Mountainbiker auf den Schauplätzen des Ersten Weltkrieges, rasen vorbei an den imposanten Kriegsfestungen, auf den alten Militärstraßen und auf den natürlichen Trails. Die Marathonstrecke umfasst 85 Kilometer und 2.141 Höhenmeter, die Classicstrecke 53 Kilometer und 1.220 Höhenmeter, diese ist somit sehr gut für Jedermänner geeignet. Dass die Cracks die Marathonstrecke in weniger als vier Stunden bewältigen, ist nur ein Detail am Rande. Aber die Gegend um Lavarone und Folgaria hat auch für Freizeit-Mountainbiker viel zu bieten. 

Lavarone - der Ausgangspunkt für die Touren

Genussbiken auf dem Hochplateau
 

Wo es Rennen gibt, sind meist auch die Voraussetzungen für schöne Touren erfüllt. So ist das auch in Lavarone. Auf der Seite der Veranstalter gibt es einige Tourenvorschläge, diese folgen meist der Rennstrecke oder sind oft um ein paar nette Trails oder Sehenswürdigkeiten bereichert, führen aber genauso an den Festungen des Ersten Weltkrieges vorbei. 

 

An der Festung Cherle - S. Sebastian


Festung Busa Verle

Festung Werk Gschwent

Es müssen keine neuen Touren gesucht werden, Tourenvorschläge gibt es auf den bekannten Portalen zuhauf, sowohl auf der Tourismusseite des Trentino, auf Alpe Cimbra Bike und auch auf anderen Portalen wie Outdooractive, Komoot, Bergfex usw. Die Touren sind übersichtlich numeriert und die Beschilderung ist ziemlich umfangreich und meist lückenlos.

 

Konkurrenz zwischen Wanderern und Bikern? Nicht vorhanden!

Unterwegs auf sanften, natürliche Trails

Das Gebiet hat wenig von der überbordenden Geschäftigkeit des Gardasees, man kann hier genau so gut Gas geben wie zur Ruhe kommen. Die Biker sind gerne gesehen und finden in den Gasthäusern und Almen eine unprätentiöse Gastlichkeit vor. Für Essen und Trinken ist gesorgt - ist die Küche einmal schon kalt, gibt es den unvermeidlichen "tagliere", den Aufschnitt aus lokalen Wurstwaren und Käse auf dem Holzbrett. 

 

Fotoshooting auf der Alm

Mountainbiken macht durstig und hungrig

Auf dem Hochplateau liegt das zimbrische Dorf Lusern, eine Sprachinsel, wo rund 1.000 Menschen noch eine alte, mittelalterlich anmutendende, deutsche Sprache, das Zimbrisch sprechen. Bemerkenswert sind dort die zweisprachigen Bezeichnungen auf der Straßenbeschilderung und an den Gebäuden. Atemberaubend ist auch der Blick von Lusern über die Hochebene und die Festungen, die über die Hochebene wie stille Wächter wachen. 

Lusern - Ortsschild in drei Sprachen, Italienisch, Zimbrisch, Deutsch

Das Gemeindeamt von Lusern

Zu köstlich - hier geht's in Richtung Autopan (Autobahn)


Und hier folgen wir der Spur des Bären

In Lusern fühlen sich Mountainbiker willkommen

Fazit: Es muss nicht immer der Gardasee sein, es gibt viele andere Regionen, die sich sehr gut zum Mountainbiken eignen und weniger gehypt und damit weniger überlaufen sind.


Mittwoch, 3. Juni 2020

Biketest: Trek Procaliber 9.7 - Praxistest nach einem Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich nach einem Allround-Hardtail für meine Tochter gesucht, das sowohl als Sportgerät für CC Rennen, als auch für längere Touren  geeignet sein sollte. Nachdem die meisten Neuräder ab dem Modelljahr 2019 lediglich mit 1x12 Schaltung ausgestattet waren, ist die Wahl schließlich auf ein Trek Procaliber 9.7 aus dem Vorjahr in Rahmengröße S - laut Hersteller geeignet für Körpergrößen von 153 bis 167 cm - gefallen.

Trek Procaliber 9.7 - Modelljahr 2018

Die Ausstattungsmerkmale sind: Carbonrahmen mit innenlaufenden Schaltzügen, Gabel Rock Shox Reba RL 100 mm Federweg, Schaltgruppe Shimano XT 2x11 Gänge, Kurbel Race Face Next R 36/26T, Kassette Shimano Deore XT 11-42, Bremsen Shimano MT500, Carbon-Sattelstütze, Vorbau, Lenker und Sattel von Bontrager, Original-Laufräder DT Swiss M1900, Reifen Bontrager XR2. Gewicht laut Hersteller 11,06 Kg. 

Shimano Deore XT - bewährter Antrieb

Als Vorjahresmodell war das Trek Mountainbike preisreduziert und den Rabatt habe ich in einen Satz der schönen Bontrager Kovee Pro TLR Carbon-Laufräder investiert, die mit ihren 1.500 Gramm und der tollen Optik eine verdiente Aufwertung für das MTB darstellen. Außerdem wurde das Bike auf Schlauch umgerüstet. 
Bontrager Kovee Pro TLS - zuverlässige und schöne Carbonfelgen

Vom 2019er bzw. 2020er Modell unterscheidet sich das Procaliber 9.7 lediglich durch die Schaltgruppe - bei diesen Modellen ist die SRAM NX Eagle 1x12 verbaut - sowie durch die Farbvarianten. Laut Werksangabe soll das Bike mit dieser Ausstattung 10,95 Kg auf die Waage bringen. Ich hatte das Bike auch anderen Optionen gebenübergestellt, wie etwa dem Cube Reaction C:62 oder dem Mitfavoriten Bulls Bushmaster RS 29 aus dem Fachhandel und anderen 2.000 Euro Bikes aus dem Versandhandel.

Nach einem Jahr der Nutzung des Trek Procaliber 9.7 Modelljahr 2018, nach etwa 20 CC Rennen, unzähligen Touren in den Südtiroler Bergen und über 2.000 Km Laufleistung, hat sich das Trek als sehr zuverlässiger und unkomplizierter Begleiter entpuppt. Die Aufrüstung mit den Carbonfelgen hat sich bewährt und ist nicht nur eine optische Aufwertung, sondern diese spart auch Gewicht. Nach der Montage von Tacho, Flaschenhalter, Pedalen und kleiner Satteltasche (nur für Touren) wiegt das Bike fahrbereite 11,6 Kg.
Das Trek Procaliber 9.7 hat seine Feuerprobe längst bestanden

Das Bike fühlt sich sehr spurtstark und steif an, der IsoSpeed-Entkoppler im Carbonrahmen schenkt dem MTB einen Hauch von Komfort am Hinterbau, indem die gröbsten Schläge dezent gefiltert werden. Bei einem Lenkwinkel von 69,5 Grad ist das MTB überaus spurtreu und trotzdem wendig auf verwinkelten Trails. Die serienmäßigen Bontrager Reifen in Größe 29x2,2 bauen breit auf den Felgen, rollen leichtfüßig und bieten einen sehr guten Kurvenhalt unter allen Streckenbedingungen.
Der Iso-Speed Entkoppler filtert Erschütterungen und Vibrationen

Fazit: Außer dem, der Laufleistung angemessenen, Ersatz der Bremsbeläge sind bisher - trotz der nicht gerade schonenden Verwendung - keine Probleme am MTB aufgetreten. Um das an sich tolle Bike zu adeln, hätte Trek dem edlen MTB statt der Shimano Gruppenbremse eine komplette XT Bremsanlage spendieren können - das ist an sich mein einziger Kritikpunkt. Der Rest der Komponenten ist sehr gut gewählt und das Gesamtpaket stimmig.

Samstag, 16. Mai 2020

MTB: Schlauch oder tubeless? Oder das Beste aus beiden Welten!

Ich hatte mich schon öfters in meinen Beiträgen als Schlauchfahrer geoutet. In meinen Augen wiegt eine Gewichtsersparnis von 350 Gramm einfach nicht die Nachteile der Tubeless-Systeme auf langen Touren auf. Denn wehe tubeless ist einmal airless und es muss ein Schlauch rein, dann ist das eine Riesensauerei. Auch Schaumpatrone und Salami-Flicksets inklusive Werkzeug sind auf Tour nur Balast und vom Handling her aufwändig. Und ganz nebenbei konnte ich noch nie feststellen, dass tubeless wirklich smoother abrollt. Vorausgesetzt die Reifen werden nicht mit zu viel Druck aufgepumpt, rollt ein 29er mit Schlauch genauso samtweich über die Trails wie tubeless, dazu reichten 1,7 Bar Reifendruck bei meinem Körpergewicht von 75 Kg bisher immer vollkommen aus. Und ist mal die Luft raus, ist die Behebung einer Reifenpanne mit einem Ersatzschlauch in Nullkommanichts erledigt.

Im Winter hängt mein Mountainbike am Haken, aber das Biken und die Technik rund ums MTB lässt mich auch da nicht los. Und so verbringe ich gerne immer wieder mal ein paar Stunden beim Tüfteln und Schrauben oder beim Stöbern nach Neuigkeiten. Und diese Neuigkeit habe ich dann entdeckt. Tubolito - ein neuartiger Fahrradschlauch aus dem neuen, leichten und widerstandsfähigen Material Thermoplast. Das musste ich testen, denn ich hatte mich schon früher mit der Verwendung anderer Systeme wie Procore, Schaumstoff-Durchschlagsschutz u. ä. beschäftigt, aber keines dieser Dinge hat mich überzeugt. Weil ich gerne Neuigkeiten teste und mir dann eine Meinung bilde, habe ich vor  einigen Wochen die Tubolito S-Tubo-MTB-Schlauch montiert. Die Montage ist ähnlich wie bei einem normalen Butyl-Schlauch, erst muss man allerdings das Ventil einschrauben. Das leichte und rutschige Material vermittelt eine Hauch von Empfindlichkeit und so habe ich auch die Montage und das erste Aufpumpen sehr vorsichtig gehandhabt. Ich habe die neuen Schläuche sowohl auf das Vorder- und Hinterrad montiert und dabei für das Aufziehen der Reifen keine Reifenheber verwendet.
Glatt und dünn fühlt sich der Thermoplast Schlauch bei der Montage an
Danach habe ich die Reifen auf 2,5 Bar aufgepumpt, um den Reifen schön auf die Felge zu pressen, danach wieder etwas Druck abgelassen. Und dann ging es gleich in die erste Hausrunde. Dabei hatte ich das Gefühl, dass sich die Reifen ziemlich hart anfühlten und nicht besonders geschmeidig abrollten. Dieser Eindruck hat sich auch auf den folgenden Touren fortgesetzt. Positiv war, dass sich die Luft in den Reifen sehr gut gehalten hat, die Thermoplast Schläuche sind also mindestens genauso dicht, wie Butyl Schläuche. Dabei wiegen sie nur einen Bruchteil, es lassen sich bei einem 29er Laufradsatz an die 350 Gramm einsparen.

Am Ventil gibt es zur Fixierung nur einen kleinen Gummiring
Inzwischen habe ich auf meinem Hardtail Scott Scale 910 auf vielen Touren mit dem Reifendruck experimentiert und diesen sukzessive abgesenkt. Mit den neuen Tubolito Schläuchen bin ich sogar schon einen Reifendruck von weniger als 1 Bar gefahren, ohne dass dabei die Conti Cross King Protection ein schwammiges Gefühl vermittelt oder zu wenig Kurvenhalt geboten hätten. Ich fahre bergauf vorwiegend auf Forstwegen und bergab auf Naturtrails mit losem Geröll, Wurzeln und Ästen.  
Vorwiegend auf Naturtrails unterwegs
Bisher hatte ich keinen einzigen Durchschlag zu verzeichnen. Ich fahre inzwischen den Conti Cross King Protection 29x2,2 hinten mit 1,2 Bar und den Conti Cross King Protection 29x2,3 vorne mit 1 Bar und fühle mich damit pudelwohl. Die Kombination Conti Protection und Tubolito hat mich auf den letzten 500 Kilometern begeistert, diese Ausstattung ist eine Bank, pannensicher und damit voll touren- und alpencrosstauglich. Es gibt sogar Flicken für die Reparatur, diese habe ich mir zwar besorgt, aber noch nie gebraucht. 

Weniger ist mehr - 1,2 Bar hinten und 1 Bar vorne sind genug!

FAZIT: Hat man erst einmal den optimalen Reifendruck gefunden, fahren sich die Tubolito S-Tubo sehr gut. Die Pannensicherheit ist exzellent und die Gewichtsersparnis in etwa gleich wie bei tubeless - und das alles mit Schlauch. Das Packmaß für einen Ersatzschlauch ist sehr klein und fällt mit federleichten 45 g (29er S Tubo MTB) nicht ins Gewicht. Einziger Wermutstropfen ist der Preis, der UVP liegt bei 33 Euro, der Preis im Onlinehandel immerhin noch bei 27 Euro, dafür bekommt man mindestens 4 normale Schläuche. Andererseits bekommt man dafür das Beste aus beiden Welten!