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Mittwoch, 3. Juni 2020

Biketest: Trek Procaliber 9.7 - Praxistest nach einem Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich nach einem Allround-Hardtail für meine Tochter gesucht, das sowohl als Sportgerät für CC Rennen, als auch für längere Touren  geeignet sein sollte. Nachdem die meisten Neuräder ab dem Modelljahr 2019 lediglich mit 1x12 Schaltung ausgestattet waren, ist die Wahl schließlich auf ein Trek Procaliber 9.7 aus dem Vorjahr in Rahmengröße S - laut Hersteller geeignet für Körpergrößen von 153 bis 167 cm - gefallen.

Trek Procaliber 9.7 - Modelljahr 2018

Die Ausstattungsmerkmale sind: Carbonrahmen mit innenlaufenden Schaltzügen, Gabel Rock Shox Reba RL 100 mm Federweg, Schaltgruppe Shimano XT 2x11 Gänge, Kurbel Race Face Next R 36/26T, Kassette Shimano Deore XT 11-42, Bremsen Shimano MT500, Carbon-Sattelstütze, Vorbau, Lenker und Sattel von Bontrager, Original-Laufräder DT Swiss M1900, Reifen Bontrager XR2. Gewicht laut Hersteller 11,06 Kg. 

Shimano Deore XT - bewährter Antrieb

Als Vorjahresmodell war das Trek Mountainbike preisreduziert und den Rabatt habe ich in einen Satz der schönen Bontrager Kovee Pro TLR Carbon-Laufräder investiert, die mit ihren 1.500 Gramm und der tollen Optik eine verdiente Aufwertung für das MTB darstellen. Außerdem wurde das Bike auf Schlauch umgerüstet. 
Bontrager Kovee Pro TLS - zuverlässige und schöne Carbonfelgen

Vom 2019er bzw. 2020er Modell unterscheidet sich das Procaliber 9.7 lediglich durch die Schaltgruppe - bei diesen Modellen ist die SRAM NX Eagle 1x12 verbaut - sowie durch die Farbvarianten. Laut Werksangabe soll das Bike mit dieser Ausstattung 10,95 Kg auf die Waage bringen. Ich hatte das Bike auch anderen Optionen gebenübergestellt, wie etwa dem Cube Reaction C:62 oder dem Mitfavoriten Bulls Bushmaster RS 29 aus dem Fachhandel und anderen 2.000 Euro Bikes aus dem Versandhandel.

Nach einem Jahr der Nutzung des Trek Procaliber 9.7 Modelljahr 2018, nach etwa 20 CC Rennen, unzähligen Touren in den Südtiroler Bergen und über 2.000 Km Laufleistung, hat sich das Trek als sehr zuverlässiger und unkomplizierter Begleiter entpuppt. Die Aufrüstung mit den Carbonfelgen hat sich bewährt und ist nicht nur eine optische Aufwertung, sondern diese spart auch Gewicht. Nach der Montage von Tacho, Flaschenhalter, Pedalen und kleiner Satteltasche (nur für Touren) wiegt das Bike fahrbereite 11,6 Kg.
Das Trek Procaliber 9.7 hat seine Feuerprobe längst bestanden

Das Bike fühlt sich sehr spurtstark und steif an, der IsoSpeed-Entkoppler im Carbonrahmen schenkt dem MTB einen Hauch von Komfort am Hinterbau, indem die gröbsten Schläge dezent gefiltert werden. Bei einem Lenkwinkel von 69,5 Grad ist das MTB überaus spurtreu und trotzdem wendig auf verwinkelten Trails. Die serienmäßigen Bontrager Reifen in Größe 29x2,2 bauen breit auf den Felgen, rollen leichtfüßig und bieten einen sehr guten Kurvenhalt unter allen Streckenbedingungen.
Der Iso-Speed Entkoppler filtert Erschütterungen und Vibrationen

Fazit: Außer dem, der Laufleistung angemessenen, Ersatz der Bremsbeläge sind bisher - trotz der nicht gerade schonenden Verwendung - keine Probleme am MTB aufgetreten. Um das an sich tolle Bike zu adeln, hätte Trek dem edlen MTB statt der Shimano Gruppenbremse eine komplette XT Bremsanlage spendieren können - das ist an sich mein einziger Kritikpunkt. Der Rest der Komponenten ist sehr gut gewählt und das Gesamtpaket stimmig.

Samstag, 16. Mai 2020

MTB: Schlauch oder tubeless? Oder das Beste aus beiden Welten!

Ich hatte mich schon öfters in meinen Beiträgen als Schlauchfahrer geoutet. In meinen Augen wiegt eine Gewichtsersparnis von 350 Gramm einfach nicht die Nachteile der Tubeless-Systeme auf langen Touren auf. Denn wehe tubeless ist einmal airless und es muss ein Schlauch rein, dann ist das eine Riesensauerei. Auch Schaumpatrone und Salami-Flicksets inklusive Werkzeug sind auf Tour nur Balast und vom Handling her aufwändig. Und ganz nebenbei konnte ich noch nie feststellen, dass tubeless wirklich smoother abrollt. Vorausgesetzt die Reifen werden nicht mit zu viel Druck aufgepumpt, rollt ein 29er mit Schlauch genauso samtweich über die Trails wie tubeless, dazu reichten 1,7 Bar Reifendruck bei meinem Körpergewicht von 75 Kg bisher immer vollkommen aus. Und ist mal die Luft raus, ist die Behebung einer Reifenpanne mit einem Ersatzschlauch in Nullkommanichts erledigt.

Im Winter hängt mein Mountainbike am Haken, aber das Biken und die Technik rund ums MTB lässt mich auch da nicht los. Und so verbringe ich gerne immer wieder mal ein paar Stunden beim Tüfteln und Schrauben oder beim Stöbern nach Neuigkeiten. Und diese Neuigkeit habe ich dann entdeckt. Tubolito - ein neuartiger Fahrradschlauch aus dem neuen, leichten und widerstandsfähigen Material Thermoplast. Das musste ich testen, denn ich hatte mich schon früher mit der Verwendung anderer Systeme wie Procore, Schaumstoff-Durchschlagsschutz u. ä. beschäftigt, aber keines dieser Dinge hat mich überzeugt. Weil ich gerne Neuigkeiten teste und mir dann eine Meinung bilde, habe ich vor  einigen Wochen die Tubolito S-Tubo-MTB-Schlauch montiert. Die Montage ist ähnlich wie bei einem normalen Butyl-Schlauch, erst muss man allerdings das Ventil einschrauben. Das leichte und rutschige Material vermittelt eine Hauch von Empfindlichkeit und so habe ich auch die Montage und das erste Aufpumpen sehr vorsichtig gehandhabt. Ich habe die neuen Schläuche sowohl auf das Vorder- und Hinterrad montiert und dabei für das Aufziehen der Reifen keine Reifenheber verwendet.
Glatt und dünn fühlt sich der Thermoplast Schlauch bei der Montage an
Danach habe ich die Reifen auf 2,5 Bar aufgepumpt, um den Reifen schön auf die Felge zu pressen, danach wieder etwas Druck abgelassen. Und dann ging es gleich in die erste Hausrunde. Dabei hatte ich das Gefühl, dass sich die Reifen ziemlich hart anfühlten und nicht besonders geschmeidig abrollten. Dieser Eindruck hat sich auch auf den folgenden Touren fortgesetzt. Positiv war, dass sich die Luft in den Reifen sehr gut gehalten hat, die Thermoplast Schläuche sind also mindestens genauso dicht, wie Butyl Schläuche. Dabei wiegen sie nur einen Bruchteil, es lassen sich bei einem 29er Laufradsatz an die 350 Gramm einsparen.

Am Ventil gibt es zur Fixierung nur einen kleinen Gummiring
Inzwischen habe ich auf meinem Hardtail Scott Scale 910 auf vielen Touren mit dem Reifendruck experimentiert und diesen sukzessive abgesenkt. Mit den neuen Tubolito Schläuchen bin ich sogar schon einen Reifendruck von weniger als 1 Bar gefahren, ohne dass dabei die Conti Cross King Protection ein schwammiges Gefühl vermittelt oder zu wenig Kurvenhalt geboten hätten. Ich fahre bergauf vorwiegend auf Forstwegen und bergab auf Naturtrails mit losem Geröll, Wurzeln und Ästen.  
Vorwiegend auf Naturtrails unterwegs
Bisher hatte ich keinen einzigen Durchschlag zu verzeichnen. Ich fahre inzwischen den Conti Cross King Protection 29x2,2 hinten mit 1,2 Bar und den Conti Cross King Protection 29x2,3 vorne mit 1 Bar und fühle mich damit pudelwohl. Die Kombination Conti Protection und Tubolito hat mich auf den letzten 500 Kilometern begeistert, diese Ausstattung ist eine Bank, pannensicher und damit voll touren- und alpencrosstauglich. Es gibt sogar Flicken für die Reparatur, diese habe ich mir zwar besorgt, aber noch nie gebraucht. 

Weniger ist mehr - 1,2 Bar hinten und 1 Bar vorne sind genug!

FAZIT: Hat man erst einmal den optimalen Reifendruck gefunden, fahren sich die Tubolito S-Tubo sehr gut. Die Pannensicherheit ist exzellent und die Gewichtsersparnis in etwa gleich wie bei tubeless - und das alles mit Schlauch. Das Packmaß für einen Ersatzschlauch ist sehr klein und fällt mit federleichten 45 g (29er S Tubo MTB) nicht ins Gewicht. Einziger Wermutstropfen ist der Preis, der UVP liegt bei 33 Euro, der Preis im Onlinehandel immerhin noch bei 27 Euro, dafür bekommt man mindestens 4 normale Schläuche. Andererseits bekommt man dafür das Beste aus beiden Welten! 

Montag, 27. Januar 2020

Mountainbiken 2020 - wohin geht die Reise?

Der aufmerksame Leser dieses Blogs hat zwischen den Zeilen immer wieder gelesen, dass ich ein zwiespältiges Verhältnis zur MTB Szene entwickelt habe. Das merkt man am Inhalt der Beiträge genauso wie an der Frequenz, mit der ich schreibe. Es macht mir, angesichts bestimmter Entwicklungen, nicht mehr so viel Freude, über mein Hobby zu schreiben. Denn das Mountainbiken hat sich in meinen Augen zusehends von einem Sport für Naturliebhaber und Bergfreunde in eine konsum- und abfahrtsorientierte Massenbewegung gewandelt - rücksichtslos, rüpelhaft, verantwortungslos und alles andere als nachhaltig. 

Schon im April 2014 hatte ich in meinem Blogbeitrag "Mountainbiken - quo vadis?" aus meinen Bedenken zur Entwicklung meines Lieblingssports keinen Hehl gemacht und die abfahrtslastige Entwicklung - verbunden mit dem Transport der Mountainbikes mit Bergbahnen und Shuttles bergwärts - kritisiert. Auch im August 2015 habe ich mich wieder gefragt, "Wohin geht der Trend bei Mountainbiken" und hatte hier besonders mit Bezug auf die Bildsprache die zunehmende Konsumorientierung und Schnellebigkeit an den Pranger gestellt.  
Landschaftserlebnis und Horizonte I
In der Zwischenzeit gab es neue Entwicklungen, die rasante Verbreitung der E-Bikes und deren touristische Nutzung haben neues Konfliktpotenzial auf die Wege und Trails gebracht. Hatten sich die Wanderer gerade erst mit den Bio-Bikern arrangiert, kommen jetzt zusätzlich die E-Biker auf den Berg und beanspruchen Platz auf den Wegen und Steigen. Durch die (vermeintliche) Einfachheit des E-Bikens kommen immer mehr Leute mit immer weniger alpiner Erfahrung auf den Berg. Treten diese in Massen auf und verhalten sich unangemessen, ob aus Unkenntnis oder aus Ignoranz, so kippt schnell die Stimmung und die Akzeptanz aller Biker am Berg ist endgültig dahin. 
Landschaftserlebnis und Horizonte II
Die öffentliche Wahrnehmung der Biker ist bereits jetzt durch relativ wenige schwarze Schafe arg in Mitleidenschaft gezogen. Das ist möglicherweise eine Folge der abfahrtslastigen Entwicklung und vor allem der Kommunikation. Damit meine ich die Art, wie das Mountainbiken beworben und verkauft wird. Denn wer nur daran interessiert ist, im Adrenalinrausch möglichst schnell ins Tal zu fräsen, der hat keinen Blick für intakte Natur und gepflegte Landschaft, grüßt keinen Wanderer und verhält sich auch entsprechend rücksichtslos.
Landschaftserlebnis und Horizonte III
Ist meine Liebe zum Mountainbiken erloschen? Nein - ich liebe das Mountainbiken wie am ersten Tag, aber ich kann mich mit dem Produkt Mountainbiken, so wie es sich entwickelt hat, mittlerweile nicht mehr identifizieren. Und ich ziehe meine Konsequenzen daraus: Ich werde meine Trails künftig nach neuen Kriterien aussuchen, ich werde Hotspots meiden und möglichst nur noch fern der Massen biken, in Gebieten, wo die Heuschrecken noch nicht eingefallen sind. Und um diesen Frieden dort zu bewahren, werde ich nicht mehr über diese Touren schreiben ...außer ich kriege doch wieder große Lust dazu.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Eisacktal: Der Bikepark Plose hoch über Brixen

Hoch über Brixen thront die Plose, der Brixner Hausberg. Im Winter überschaubares Skigebiet, im Sommer beliebtes Wandergebiet, hat sich der Berg durch den Bau des Bikeparks zu einem Eldorado für Mountainbiker gemausert. An der Bergstation sind drei Lines von professionellen Trailbauern neu gebaut worden, die das bereits vorher bestehende Angebot - die Trailabfahrt von Brixen nach St. Andrä -  erweitern und abrunden. 

Die Sky Line beginnt an der Bergstation der Kabinenbahn auf 2.050 Metern Meereshöhe und führt über 6,6 Kilometer beinahe 1.000 Tiefenmeter nach unten. Diese Line ist nicht einfach zu fahren und man muss zwischendurch schon einmal stehen bleiben, wenn man die herrliche Aussicht über die Stadt Brixen und das Eisacktal genießen will. Unterwegs erfordern viele knifflige Stellen, Steine und Wurzelteppiche die hundertprozentige Aufmerksamkeit der Biker und lassen wenig Raum für visuelle Ablenkungen.  

Einstieg zur Sky Line - Nomen est Omen - dem Himmel nah

Die Palm Pro Line ist die schwierigste Strecke im Plose Bike Park und fällt zweifellos in die Kategorie anspruchsvoll. Sie ist 2,5 Kilometer lang und enthält alle Elemente, die einen Mountainbiker fordern können. Zahllose Wurzeln, Steine, Steilstücke garnieren das Abfahrtsvergnügen. Die Auffahrt mit dem Palmschoß Sessellift gestaltet sich dagegen beschaulich und verschafft die Gelegenheit, die herrlichen Panoramen auf die Geislergruppe in den Dolomiten aufzunehmen.
Einstieg zur Palm Pro Line

Liebhaber von Softtrails und Familien mit Kinder werden die Jerry Line schätzen. Diese ist mit gemäßigtem Gefälle sehr gut vorhersehbar und birgt keine Überraschungen auf der Strecke. Vor den Anlegerkurven wird mit kurzem Gegenanstieg das Tempo reduziert und die Strecke fährt sich leicht und flowig. Auf gut 4 Kilometern werden 300 Tiefenmeter bewältigt, somit ist die Line ideal für Anfänger und Kinder. Von der Jerry Line zweigt die Hammer Line ab. Diese ist etwas abwechslungsreicher und durch einige Sprünge und Kurven auch etwas fordernder, kann aber immer noch als familientauglich gelten. 

Auf der Sky Line - hoch über dem Eisacktal
Spektakuläre Aussicht vom Sessellift auf die Geislergruppe


FAZIT: Ein Besuch im Bikepark Plose lohnt sich, die Preisgestaltung ist fair und durch das Familienticket auch für Familien erschwinglich. Die verschiedenen Lines bieten Fahrspaß und Abwchslung. Stoßzeiten sollte man meiden, in den Parks gibt es immer wieder übermotivierte Superhelden (wären einen eigenen Beitrag wert), die glauben es ginge um Leben und Tod und nicht um ein Freizeitvergnügen. 

Freitag, 20. September 2019

Vinschgau: Der Ötzi Flow Trail in Naturns

Schon im Sommer 2015 hatte ich mit euphorischen Worten vom Ötzi Trail als dem schönsten Trail im Vinschgau geschwärmt. Dieser Trail hat im vergangenen Jahr zum Tal hin eine Verlängerung erfahren. Diese ist besonders gut für Anfänger und Kinder geeignet. Rund einen Kilometer lang schlängelt sich der als S1 eingestufte, leichte Trail ins Tal und ist für Familien mit Kindern einen Besuch wert. Die Strecke ist so angelegt, dass die, zwischendurch einem Pumptrack nicht unähnlichen, Hügel den Anfänger nie überraschen und auch die Steilkurven flach und leicht fahrbar ausfallen.
Ötzi Flow Trail - Am Start
Die Anfahrt erfolgt vom Parkplatz in Naturns aus über Tabland bis zur Waldschenke. Auch hier gibt es einen großen Parkplatz, eventuell kann man auch bis hierhin fahren und parken. Leider gibt es am Parkplatz keine Beschilderung zum Traileinstieg, aber man folgt einfach dem Forstweg, der hinter dem Parkplatz beginnt. Es geht anfangs eher steil bergauf und man muss sich links über eine kleine Brücke halten. Schon kurz darauf begegnet man den einzelnen Schildern, die den Trail anzeigen, wo er den Forstweg quert. Man bleibt aber immer auf dem Forstweg, bis man - etwa sechs Kehren weiter oben - am Start-Schild steht.
Ötzi Flow Trail - Spaßgarantie für Groß und Klein
Dann kann es losgehen, der Fahrspaß ist nach etwa 150 Tiefenmetern und einem Kilometer schon wieder vorbei. Die erste Fahrt kann noch dem Kennenlernen dienen, danach geht es immer flotter in die Steilkurven und es bleibt wohl nicht bei der zweiten, dritten und vierten Fahrt. In Verbindung mit dem Hochpedalieren ist die Abfahrt ein schönes Training für Kinder und Anfänger, ohne Angst vor Überforderung, dafür mit Spaßgarantie.

Sonntag, 18. August 2019

Vinschgau: Der Barbarossa Trail

Latsch im Vinschgau ist wohl einer der MTB Hotspots in Südtirol. Hier hat sich eher die abfahrtslastige Fraktion der Mountainbiker angesiedelt - wohl aus gutem Grund. Die Trails sind beinahe lückenlos mit Bahn oder Shuttle erreichbar und die Beherbergungsbetriebe haben sich gut auf diese Biker eingestellt. Die Saison ist lang, bei den zuletzt milden und schneearmen Wintern war die Bikesaison in Latsch wohl unbestritten die Längste mit rund zehn Monaten Dauer. 

Schattiger und für den Sommer besser geeignet finde ich in Latsch die Trails auf der Seite des Nördersberg. Dieser besteht aus Nordhängen und die Trails führen vorwiegend durch schattenspendenen Wald. Allein von der Tarscher Alm bzw. Latscher Alm führen vier Trails ins Tal, diese werden von einem alten 2er Sessellift bedient, der die Biker bedächtig nach oben befördert. Neu im Trailquartett ist der Barbarossa Trail, dessen letzer Abschnitt erst kürzlich fertiggebaut wurde.
Einstieg in den Trail auf der Tarscher Alm
Der Trail erstreckt sich über 4,5 Kilometer und überwindet vom Einstieg an der Bergstation bis zur Talstation des Sesselliftes gut 700 Tiefenmeter. Er ist mit S1 bzw. Schwierigkeit "Blau" angeschrieben, dieses Versprechen kann der Trail, obwohl etappenweise recht flowig, nicht durchgängig halten, es sind Wurzeln, Steine und Absätze vorhanden, die eine Kennzeichnung S2 und somit Schwierigkeit "Rot" rechtfertigen würden. Ständige Aufmerksamkeit, Bremsbereitschaft und Körperspannung sind notwendig, denn selbst in den flowigen Abschnitten kommen plötzliche Richtungswechsel und steile Anfahrten in die meist eher flach ausgelegten Steilkurven vor. 
Flowiger Start in den Barbarossa Trail
In den oberen Bereich sind einige Sprünge eingebaut, die auch umfahren werden können. An einigen, vom Gelände her schwierigen Stellen wurden Holzkonstruktionen mit Hasendrahtbelag verbaut, die dem Biker etwas Sicherheit vermitteln.Trotzdem sind auch einige ausgesetzte Abschnitte zu überwinden, die ich Kindern und unerfahrenen Bikern nicht unbedingt zumuten möchte.

Holzkonstruktionen auf dem Trail
Einige Sprünge sorgen für den Adrenalinstoß
Alles in allem ist der Barbarossa Trail sehr abwechslungsreich und spannend. Manchmal mit unerwartet herbem Charakter. Hat man mit ihm einmal das richtige Feeling entwickelt, lädt er zwischendurch immer wieder ein, die Bremse zu lösen und es richtig rollen zu lassen, dies aber wohl erst nach den ersten paar Abfahrten.

Sprünge können umfahren werden
Die Herausforderung für Latsch als MTB Region ist es wohl, das Angebot noch breiter aufzustellen, mit einigen leichteren Trails für die ganze Familie. Außerdem muss dafür Sorge getragen werden, dass die bestehenden Trails weiterhin fahrbar bleiben und nicht in höhere Schwierigkeitsklassen wandern. Durch Gewitter und Bodenerosion sind viele Trails im Laufe der Jahre um mindestens einen Punkt in der Singletrailskala aufgestiegen, aus S1 wurde S2 aus S2 wurde S3... Dies mag die Hardcore-Freerider begeistern, für die breite Masse tauglich bleiben die Trails dadurch nicht.


Montag, 5. August 2019

Sarntal: Auf versteckten Pfaden durch das Penser Tal

Das Sarntal wird mehr und mehr von den klassischen Mountainbikern entdeckt. Diesen "klassischen Mountainbikern" geht es nicht um den schnellen Genuss - mit Bahn oder Shuttle ohne Anstrengung hinauf und möglichst oft hinunter, um möglichst viele Höhenmeter zu vernichten. Nein, diese zeitgeistige und konsumorientierte Spielart des Mountainbikens findet man hier kaum. Im Sarntal sind jene genussorientierten Biker richtig, die sich die Höhenmeter selber - manchmal auch elektrounterstützt - erstrampeln, dadurch die Abfahrten vielmehr schätzen und auch noch einen Blick für die Natur und deren Schönheiten haben.

Schöner Radweg am Rand der Talfer
Wem das zu langweilig erscheint, der tut gut daran, nach Latsch, auf den Kronplatz oder zur Sellaronda zu wechseln, um dort mit den Bergbahnen zu fahren, zu shuttlen und unerbittlich Tiefenmeter zu sammeln. Wer aber gesunde Bewegung in Verbindung mit einem Naturerlebnis in einer intakten Landschaft erleben will, ist im Sarntal goldrichtig. Neben unzähligen, meist wenig bekannten Naturtrails gibt es ein ausgedehntes Netz an Forststraßen und Hofzufahren, die wie geschaffen für den Genuss auf zwei Rädern sind.
Über dem Penser Tal, St. Johann im Walde
Die Tour durch das Penser Tal startet in Sarnthein (oder Nordheim) an der Bushaltestelle mit großem Parkplatz. Anfangs bewegt man sich in Richtung Norden, orografisch rechts der Talfer (Bach durch das Sarntal) bis zum "Saulegbrünnl", dort überquert man die Hauptstraße und wechselt die Talseite. Zuerst auf Asfalt und recht steil bergauf geht es an beschaulichen Bauernhöfen vorbei. Am Ende der Straße an einer Hofstelle folgt kurz ein steiler Karrenweg als Verbindung mit der höher gelegenen Asfaltstraße. Diese fährt man für rund 3,5 Km bis zum letzten Hof weiter, wo eine Forststraße weitergeht, die bald in einen bockigen und verwachsenen Weg ins Tal mündet. Am Gasthaus Alpenrose an der Hauptstraße wechselt man die Talseite und fährt auf dem Fahrradweg der Talfer entlang, vorbei am Gasthaus Rabenstein bis nach Weißenbach. Ein kurzer aber lohnender Abstecher führt hoch zum Kirchlein St. Johann im Walde, ehe man auf der gegenüberliegenden Talseite, orografisch links der Talfer, in die Forststraße hoch zur Kirchbergalm fährt. Die Alm ist nicht bewirtschaftet, der Hans hat aber immer ein Bier, einen selbstgemachten Himbeersaft oder eine kleine Jause für den hungrigen Wanderer oder Biker vorrätig.
Durch die grüne Natur
Nach der Rast auf der Kirchbergalm, fährt man rund 2,5 Kilometer auf demselben Weg zurück und fährt dann auf der Forsstraße Pichlwald weiter. Der Weg ist hier nicht immer leicht zu finden, hilfreich ist es, sich den Track und die Tourendetails auf sein Handy oder GPS-Gerät zu laden. Nach etwa 15 Km durch den wunderschönen Zirbenwald im stetigen Auf und Ab geht es nach einer Almhütte scharf rechts über einen steilen Trail bergab, man hält sich links, quert ein Bächlein und fährt wieder auf einem Forstweg leicht bergauf weiter. Dieser Weg endet nach gut einem Kilometer und man muss das MTB auf einem schwer auffindbaren und schmalen Steig, sehr steil knapp 100 Höhenmeter nach oben schieben. Dort kommt man wieder auf einen rauhen Almweg, auf dem man, mit wunderbarem Blick in das Tal, durch Wälder und Almen, auf die Asfaltstraße der Fraktion Gentersberg zurückkommt.
Schöne Almenlandschaft inmitten der Wälder
Dieser schmalen Asfaltstraße folgt man talauswärts, leicht bergab immer in Richtung Süden mit Blick auf das Sarntal, vorbei an Bauernhöfen bis zum Kirchlein St. Valentin und den Messnerhof. Hier bietet sich noch eine Einkehr und eine Stärkung an, bevor man hinunterfährt in die Talsohle zum Ausgangspunkt der Tour.


Variante: Wenn man die Tour etwas abkürzen möchte, kann man die Schleife nach St. Johann im Walde und den Abstecher zur Kirchbergalm streichen und spart damit gut 5 Kilometer und 250 Höhenmeter.

Fazit: Schöne und abwechslungreiche Tagestour auf dem MTB, technisch nicht schwierig, da geringer Anteil an Singletrails. Landschaftlich sehr schön und sehr ruhig, man fährt kilometerweit  ohne anderen Menschen zu begegnen. Weg nicht immer leicht zu finden, sollte man nicht unbedingt alleine fahren. Gut 50 Kilometer und 2.000 Höhenmeter sind zu bewältigen.


Details unter http://out.ac/dpwAc



Biketest: Trek Procaliber 9.7 - Praxistest nach einem Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich nach einem Allround-Hardtail für meine Tochter gesucht, das sowohl als Sportgerät für CC Rennen, als auch für...