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Dienstag, 9. Mai 2017

E-Bike - was ist dran am Hype?

Egal wohin man schaut, in der Stadt oder auf dem Land, auf dem Fahrradweg oder auf dem Berg - E-Bikes sind allgegenwärtig. Neue Fachmedien entstehen, die Fahrradverleihe setzen voll auf den E-Bike Trend und in den Fachgeschäften nähern sich die Verkaufszahlen der Bikes mit Elektrozusatzantrieb mit Riesenschritten jenen der nichtmotorisierten Brüder.

Fakt ist, dass das Phänomen E-Bike das Radfahren allgemein, aber ganz besonders auch das Mountainbiken verändern - wenn nicht sogar revolutionieren - wird. Bereits jetzt lassen sich zwei große Nutzergruppen erkennen, die sich verstärkt dem E-MTB Sport widmen.

Einmal sind das die sportlich ambitionierten Umsteiger, die bereits mit dem Mountainbike unterwegs sind oder waren und die mit dem Biken im alpinen Gelände vertraut sind. Diese entdecken einfach den erhöhten Spaßfaktor, die Leichtigkeit und Mühelosigkeit, beinahe Unfahrbares auf dem Uphilltrail wird fahrbar, der Aktionsradius wird vergrößert. In dieser Nutzergruppe wird Bike mit E-Bike substituiert oder die Bikes abwechselnd genutzt. Das bedeutet deshalb keinen Zuwachs bei den Fahrradnutzern.

Zum Zweiten kommt aber eine nicht zu unterschätzende Gruppe von „neuen Radfahrern“ hinzu. Diese haben bisher kaum Erfahrung mit dem Radfahren im Gelände, haben keine Mountainbike- und wenig Bergerfahrung. Außerdem sind sie mit der Technik nicht vertraut und können kleine Reparaturen nicht ohne fremde Hilfe beheben. Diese Nutzer entdecken, wie scheinbar mühelos die Fortbewegung mit Motorunterstützung ist, diesen erschließen sich plötzlich ganz andere alpine Regionen und sie können in Gegenden vorstoßen, die für sie bisher per Lift und per Pedes nicht erreichbar waren. In dieser Gruppe ist wohl auch ein Großteil der Gäste anzusiedeln. Familien, Senioren, Städter - neue Nutzer, die das Wachstum bei den E-Mountainbikes anschieben werden.
E-Mountainbike
Spaßfaktor E-Bike
Mit der Motorunterstützung ändert sich nicht nur die Reichweite. Für die Sicherheit der unerfahrenen Nutzer werden Forstwege und Forststraßen von allergrößter Bedeutung sein. Eine gut ausgebaute und gut durchdachte Wegeinfrastruktur muss angeboten werden, die es auch einem ungeübten und unerfahrenem Publikum ermöglicht, sicher in die Berge, zu den Hütten und den Almen und wieder heil zurück, zu kommen. Die Wege werden durch die erhöhten Nutzerzahlen auf relativ schwerem Gerät (Plus Bereifung und bis zu 25 Kilo Gewicht)  und die gestiegene Reichweite - ist gleich mehr Fahrkilometer - stärker frequentiert und damit stärker beansprucht.

Und auch die Akzeptanz des MTBikers wird eine - leider eher negative - Entwicklung nehmen. Zollte der Wanderer dem athletischen Biker, der sich seine Höhenmeter mühsam im Schweiße seines Angesichts erkämpft hatte, noch Respekt und sah ihn meist als gleichwertigen Alpinisten an, mit dem er am ehesten bereit war "seine" Steige zu teilen, kann der E-Biker mit dieser Anerkennung kaum mehr rechnen. Diese Entwicklung kann durch die höheren Frequenzen und die schnelle Zunahme der E-Biker noch verstärkt werden.
E-MTB als Fully oder Hardtail mit dicken Plus Reifen
Dies wird den Boom aber kaum einbremsen, aber es könnten Regulierungen kommen. Aktuell sind E-Bikes den Fahrrädern gleichgestellt (EU-Richtline 2002/24, Art. 1, Punkt h), wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: "Fahrräder mit Trethilfe, die mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer maximalen Nenndauerleistung von 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher, wenn der Fahrer im Treten einhält, unterbrochen wird..." Das heißt, um ein E-Bike zu fahren, benötigt man keinen Führerschein, keine Kenntafel, keine Zulassung, keine Fahrzeugpapiere, keine Versicherung und es fällt keine Verkehrssteuer an. Außerdem besteht keine Helmpflicht. Dies alles fördert die schnelle Verbreitung der E-Bikes.

Sollte aber die Toleranz dem E-Bike gegenüber durch zu schnelles Wachstum, Wildwuchs, Fehlentwicklungen (wie z. B. Tuning an den Bikes von der Industrie gefördert, geduldet oder in Kauf genommen), Unfälle, Missbrauch u. ä. abnehmen, werden regulierende Maßnahmen von Seiten des Gesetzgebers auf Druck der Öffentlichkeit diesem Trend den Strom abdrehen.

FAZIT: E-Bike wächst sehr dynamisch - weil e-biken so viel Spaß macht. Um diese Dynamik am Laufen zu halten, braucht es noch viel mehr Kooperation zwischen Herstellern, Shops, Tourismus und den Interessenvertretern. Vor allem braucht es ein Konzept! Dieses beginnt bei der Wegeinfrastrukur, geht weiter über einheitliche Standards für Ladestationen, verbesserte Services rund um das E-Bike und einer neuen Radkultur. Besonders Anfänger und Familien brauchen viel Unterstützung beim Einstieg in die verlockende Welt des E-Bike, denn einfach aufsitzen und drauflosfahren funktioniert nicht!



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